Alle Ampeln rot!
Was für ein Glück, ich kann nicht flüchten.
Alle Menschen um mich herum sitzen in ihren Autos und sind total einspannt, nur ich merke jeden Muskel meines Körpers, die totale Anspannung.
Wieso wird dieses verfluchte Ding nicht endlich grün? Es wird grün, aber trotzdem ich komme immer noch nicht an die Reihe, drei Phasen muss ich abwarten. Mein Kopf redet ununterbrochen mit mir und ich mit ihm.
Ich habe mir vorgenommen, die Oberhand zu behalten, nicht die Panik zu bekommen, sondern ruhig zu bleiben, versuche mich zu Entspannen, die Gedanken wo anders hinzulenken.
Es wird tatsächlich wieder grün und ich komme weiter ...
Die Rückfahrt nicht besser, die Stadt ist voll, die Ampeln alle auf rot und auf der Autobahn ist die Hölle los, die gewohnten Atemprobleme halten sich in Grenzen, ich merke, je länger ich fahre desto lockerer werde ich..... auch das Problem wird irgendwann verschwinden, Übung macht den Meister.
Erinnerungen kommen mir auf der Fahrt wieder hoch.
Ich sehe die kleine Ansteigung auf der Autobahn, das ist das einzigste wo ich mich noch daran erinnere, nein nicht ganz, an das Tanken kurz hinter Hamburg erinnere ich mich auch noch.
Ich hatte irgendwie nur den Fuss auf dem Gaspedal, ansonsten war ich wie ferngesteuert, vollkommen weg ... habe eine Attacke nach der anderen über mich ergehen lassen und war nicht mehr geistig anwesend. Ich möchte das nie wieder erleben.
Nur wenn ich im Auto sitze, dann spüre ich, das da wieder was hoch kommt. Mein Gehirn hat noch nicht begriffen, das das Vergangenheit ist ....
So manche Gedanken gehen mir wieder durch den Kopf.
Ich habe immer stark mit mir selbst zu kämpfen, gehe mich selbst an, aber ich komme voran. Bleibe einfach nicht mehr stocken, jeden Tag gehe ich ein Stück weiter.
Ich kann mich daran erinnern, vor einiger Zeit mal so ein hundert Punkte Plan hier aufgeschrieben zu haben, vieles von dem kann ich natürlich nicht mehr ändern und es ist auch gut so, denn wäre manche Sachen nicht passiert, wäre ich wohl nie wach geworden, wäre weiterhin so ein Gefühlsroboter zum dem ich mich habe machen lassen.
Aber es gibt auch Punkte, die ich abgehackt habe.
Ein Punkt gehe ich noch übernächste Woche an, ich muss sagen, ich habe echt Bammel davor, nur ich muss locker daran gehen, leider leichter gesagt als getan, nun ja ….der Tag wird kommen und ich werde sehen was er für mich bereit hält.
Noch einen heftigen Punkt gehe ich an, einen der mir natürlich jetzt schon Bauchschmerzen bereitet und mit dem ich mich aber trotzdem definitiv auseinander setzte.
Ich werde wieder zu dem einen Ort fahren, wo meine ganze Panikattackengeschichte anfing.
Allerdings werde ich eine Freundin diesmal mitnehmen und noch nicht ganz alleine dahin fahren, aber die Zeit wird auch wiederkommen.
Ich werde im Mai an die See fahren, mal sehen was daraus wird, natürlich …ich liebe das Meer, aber dieser Ort mit den damit verbundenen Begebenheiten …nun ja … ich laufe nicht weg, ich gehe es an …ich brauche einfach noch ein wenig Zeit.
Ich bin immer so der Mensch, am besten alles gleich, immer und sofort, alles und dann noch perfekt hinzu.
Tja und dann erschlage ich mich selber mit der Dachlatte, weil es einfach zu viel war.
Claudia, geh ein Schritt nach dem anderen.
Aber immer mit dem einem Ziel vor den Augen, uns drei Mädels auszusiedeln, ich weiß nicht, ob meine Schöne das noch schafft, sie wird 11 Jahre alt und manchmal merkt man ihr Alter. Ich würde sie sogern mitnehmen, sie liebt das Meer genauso wie ich, wir sind uns, obwohl sie ein Hund ist, extrem ähnlich … ohne meine kleine Seele, ich mag gar nicht darüber nachdenken, ich weiß, irgendwann kommt die Zeit der Abschiednahme auf dieser Welt, aber ich werde sie dabei nicht alleine lassen, ich werde so gut es geht ihr bei dem Übergang helfen, ihr zur Seite stehen.
Ich hoffe aber trotzdem, das ich sie noch eine ganze Weile haben werden, das ich weiter mit ihr schöne Stunden verbringen kann. Sie ist einfach meine ständige Begleiterin, eine treue und ehrliche Seele.
Ich mag einfach gar nicht weiter darüber nachdenken, es macht mich nur unendlich traurig …zu traurig.
Manches habe ich noch nicht gepackt, aber ich bin dran, arbeite daran, wie sehr es mich auch beutelt, will mich nicht unterkriegen lassen, will nicht mich selber besiegen müssen, will mit mir leben … gehe es an, es funktioniert.
Meine Alpträume, meine Angstträume sie werden weniger, sie kommen fast nicht mehr vor, ich bin nicht weggelaufen, habe mich ihnen gestellt, habe mich mit ihnen auseinandergesetzt, den Rest werde ich auch noch schaffen, nur ich brauche Zeit … ich habe gelernt, ich kann es nicht über das Knie brechen, hinzufallen und nicht gleich wieder aufstehen zu können ist nicht schlimm, es gehört zu mir ….
Vieles lerne ich neu, fange wieder an …es ist wie neu laufen lernen, es ist harte Arbeit, aber es geht … das was ich früher nie getan habe, habe ich lernen müssen, ich habe die Hilfe angenommen, die mir angeboten wurde, habe viele Hände ergriffen die geholfen habe …bin auch oftmals auf Unverständnis getroffen, von Menschen wo ich dachte es sind alte Freunde, die ich schon ewig kannte kam am wenigsten …
Ich mache daraus keinen Vorwurf, manche Menschen sind einfach überfordert … aber es sind nicht mehr meine Freunde. Es mag sich arrogant anhören, aber so was brauche ich einfach nicht, es ist für mich eine Belastung! Und Ballast schmeiße ich ab …er gibt einfach neue Menschen in meinem Leben.
Ich möchte ein paar Anmerkung und auch innere Gedanken dazu schreiben, es ist ja einer meiner Hauptthemen und belastet mich extrem, die Hintergründe, nun ja, ich denke, die sind mir bekannt.
Angst schnürt die Seele ein.
Angst entmutigt.
Angst macht lahm.
Der Sinn kommt abhanden.
Der Mut zum Sein geht verloren.
Angst vor der inneren Welt …vor sich selbst, vor mir …vor meinem Mut, meinem Sein, vor Erinnerungen, Ahnungen, verdrängten Wünschen, abgekapselter Wut, Verlust der Hoffnung, vor Sinnlosigkeit, keinen Halt zu finden …Angst sind die Löcher, die tiefen schwarzen Löcher.
Angst hat viele Auslöser … und doch gibt es eine Hauptquelle …die Entfremdung, der eigenen Quelle, des eigenen Seins, die Kluft zwischen Herz und Verstand ….
Entferne ich mich von mir selber, entsteht ein tiefer Graben zwischen denken und fühlen, zwischen dem Herz und dem Kopf. Eine Spaltung meinerseits beginnt. Mein innerer Gegenspieler gewinnt und diese Macht in mir zerstört mich, sie hat dann die Oberhand.
Das heisst, sich nicht trennen von sich selbst, bleiben wie man im inneren ist …nicht einfach in dieser Welt und ich neige allzu oft nicht alles zu zeigen, meine Verletzlichkeit nicht zu offenbaren, sie zu verstecken hinter einem Panzer.
Aber geht man nackt auf das Kampfgebiet, völlig schutzlos und ohne Waffe … ist man tot.
Doch schlägt zuviel auf mich ein, nützt mir mein Panzer nichts mehr, ich muss mich zurückziehen, muss mich aus dem Kampfgetümmel entfernen, um nicht noch schlimmere Verletzungen einzukassieren, um zu überleben.
Ich muss sagen, mir wird hier echt unheimlich, die Stromleitungen fallen als aus und wir liegen hier im Freien, das Haus bietet volle Angriffsfläche und ich hoffe die Fenster halten ... es hört sich echt unheimlich an und es fegt über uns hinweg ...draussen kann jetzt keiner mehr stehen. Die LAN Verbindung war auch schon weg und es knallt von der West Seite voll an das Haus, ich hoffe, es bleibt alles heil .....*bibber*
22:21 Uhr
Es wurde ein wenig ruhiger nach zwei Stunden, doch jetzt geht es wieder los! Es scheint noch nicht vorbei zu sein! Wollen wir hoffen, das die Nacht alle Menschen gut überstehen, 5 Tote in Deutschland gibt es bereits .... Sirenen gehen hier an und die Feuerwehr ist ununterbrochen im Einsatz.
Was muss nur alles noch hochkommen damit es endlich mal ein Ende hat.
Alpträume haben mich heute Nacht gequält, Angst saß mir in den Knochen, der Atem wurde mir genommen und hält immer noch an. Schwere Atemprobleme ...sie sind noch da und verschwinden einfach nicht, was liegt mir da nur so schwer auf der Brust ...jetzt sitze ich hier und kämpfe gegen die Panik, nein, ich kämpfe nicht, ich stelle mich drauf ein ... ich kann mich eh nicht gegen wehren, es ist das einzigste wo ich mich nicht gegen wehren kann, sondern es hinnehmen muss, weil ich einfach machtlos bin
Urvertrauen, so ein Wort, das ich nicht besitze.
Manchmal mache ich mir Gedanken und frage mich wieso ich diese Attacken beim Autofahren bekomme, nur weil ich sie einmal hatte, ich quer durch Hamburg gedüst bin, nicht mehr wusste wo ich lang musste, nur noch nach Hause ...Autobahn ...Stau ..Hitze, kein Ausweg ...typisch für Panikattacken, die Fluchtmöglichkeit fehlt ...ja, aber wo kommt es her, wo ist der tiefe Ursprung ...wirklich tief verwurzelt in der Kindheit?
Als ich die Panikattacke hatte waren wir ganz alleine, ich konnte mein Kind nicht alleine im Bett lassen und verschwinden und im Nachhinein weiß ich da war eine Gleichung ...
Ich war mit meiner Mutter alleine in einer Pension, und sie bekam akute Atemnot ...sie war in Panik und ich wurde wach, bekam Angst, aber meine Mutter ist geflüchtet, ließ mich alleine zurück ...allein in einer mir völlig fremden Umgebung, das was ich gemacht habe ist dissoziert, ich kann mich an nichts mehr erinnern, ich weiß nur das ich einen Bernhardiner sah und der war so groß wie ich. Ich war unter Schock!
Und ich weiß, das kam öfters vor ...ich erinnere mich, das ich meine Mutter immer mit gepackten Koffern sah, sie wollte weg, weg von dem Haus, weg von dem Mann, aber der lachte nur darüber und jedes Mal als sie die Koffer in der Hand hatte und wegging, ließ sie mich zurück, zurück bei ihm, zurück bei dem, der niemals mir Respekt entgegen brachte, der das machte was er wollte .... der sich nahm was er wollte ohne jemals Rücksicht nehmen zu müssen ...
Sie hat sich nie Gedanken darüber gemacht, das eine drei jährige Angst hat, wenn die Mutter weggeht, noch nicht einmal im nachhinein, niemals macht sie sich über irgendwas Gedanken, entweder entspringt alles meine Hirngespinsten und sie sagt, ich habe noch nie verstanden, das du die ganze Sache anders siehst ..sie gibt es nicht zu, sie deckelt alles, sie deckelt ihn ...und wenn sie dann vor mir steht und hat am Hals einen roten Streifen, selbst dann .....ich kann ihr nicht helfen, sie lässt es nicht zu, obwohl sie die Rollen getauscht hat, sie hat immer mich die Mutterrolle übernehmen lassen, sie hat sich einfach in die Tochterrolle verpisst, mich immer vorgeschoben, weil ich bin ja die Starke, die, die die Stirn bietet und sich nichts gefallen lässt ... ach Mutter, du bist eine arme Sau und ich bin froh, das ich wenig mit euch zu tun habe.
Ihr habt mich meiner Kindheit beraubt, mein Vertrauen missbraucht ...ich strafe euch jetzt mit Nichtbeachtung!
Neuro-linguistische Therapie, hat da jemand schon was von gehört? Ich brauche eine Neuprogrammierung meines Gehirns ...zu viel ist da drin ..ich brauche Ruhe, absolute Stille!
Als nachtaktive Tigerin gehe ich sehr oft spät in das Bett, so auch gestern wieder, allerdings habe ich nicht sehr lange geschlafen.
Denn ganzen Tag habe ich schon gemerkt, dass etwas in mir schlummert, tja und dann kam es um 2:48 Uhr raus. Viele die an dieser Krankheit leiden, denken immer es kommt plötzlich, nein es ist schon die ganze Zeit da, es braucht etwas bis es sich aufgebaut hat. Es ist wie ein Vulkan in dem es untergründig brodelt.
Jedenfalls war sie da, die Panik – nicht vollständig aber doch präsent, mein Kopf ratterte, ja, du weißt jetzt genau was zu tun ist, es läuft Plan A bis Z ab, aber es ist, als säßen zwei Gestalten auf meinen Schultern, ein Engel, der mir Mut zuspricht und ein Teufel, der hämisch lacht und mir sagt, das ich es nicht schaffen werde, die Symptome nehmen allmählich zu.
Alles erdenkliche steigt mir in meinen Kopf, das Herz klopft und ich bekomme leider Atemprobleme, das ist das stärkste Symptome bei mir ... nicht den Kopf verlieren, du weißt das es ganz normal ist.
Ich stehe auf, mir ist eiskalt ... alles passt ...alle Symptome einer Panikattacke laufen zusammen ...auch die Überlegung, ich brauche Hilfe, keiner da, du bist hier alleine, was mache ich bloß, keiner der jetzt mich beruhigt, ich gehe in die Küche, bemerke schon, das ich mich langsam aus meinen Körper manövriere, die Bodenhaftung fehlt, es ist schon als würde ich schweben, die Kälte in mir trägt dazu noch einiges bei. Etwas Warmes trinken, doch ich mache den Wasserkocher wieder aus, ich bin fast schon gar nicht mehr klar bei mir, die Panik hat mich schon zu 90% im Griff, eine Freundin anrufen, jetzt nachts um 3 Uhr, nein, bei ihr ist immer für den Notfall die Kellertür auf, falls sie mich mal nicht hören sollte, dort kann ich hin ... nein, mein Engel auf der Schulter, er ist plötzlich da, du schaffst das, du musst da nicht hinrennen, bleib ruhig ... ich gehe in das Kinderzimmer, L. schläft ganz ruhig, ich schaue sie an und werde ein wenig ruhiger, ich überlege kurz und sie schlägt die Augen auf und sagt: Mama, ist dir kalt, komm zu mir ich wärme dich!
Ich lege mich zu ihr, sie spricht ganz leise, macht eine Kassette an und ich höre das tröten von Benjamin Blümchen, über ihr hängt eine Spieluhr, die sie als Baby geschenkt bekam, Beethoven auch er klingt in meinen Ohren, ich werde ruhiger und ruhiger, sie redet leise weiter, was weiß ich nicht mehr ...
Heute sitzt der Kopf nicht auf den Schultern, heute habe ich ihn unter dem Kopf. Kein Wunder bei der Nacht.
Ein Alptraum hat mich mal wieder überrollt und ich weiß, es ist mein Unterbewusstsein was da mit mir gesprochen hat.
Mein Traum
Ich war mit Freunden unterwegs, sie haben mich an der Autobahn abgesetzt. Ich wollte weg, nach Hause an das Meer zurück, zurück an den Atlantik, endlich wieder die Luft einatmen, den Wind auf meiner Haut spüren, das Salzwasser auf den Lippen schmecken, weg von hier ...
Und da spürte ich sie wieder, erbarmungslos kam die Angst auf mich zugerollt, wieder unfähig mich in das Auto zu setzen und eine länger Strecke zu fahren, unfähig wegzukommen, die Angst hat mich wieder gelähmt ... ich stand dort an der Autobahn und war verzweifelt! Das Gefühl nie wieder hier wegzukommen, es war entsetzlich!
Schwere umgibt mich zu Zeit, starke Übelkeit und leichter Schwindel, mir ist als müsste ich mich ruhen, ruhen von einer langen Reise, die ich mittlerweile schon zurückgelegt habe. Ein Jahr was ich voller emotionalen Tiefs erlebt habe.